Die Fußball EM 2020 in ganz Europa

Der Bewerbungsprozess und die Kandidaten

Europe map (© Denys Rudyi - Fotolia.com)

Europe map (© Denys Rudyi – Fotolia.com)

Austragung in 12 Ländern! Wieso nicht konventionell?

Ursprünglich sollte das Recht zur Austragung der Europameisterschaft 2020 ganz konventionell an eine Nation oder an ein Bündnis aus zwei oder drei Ländern vergeben werden. Es stand fest, dass die EM 2020 die zweite UEFA Meisterschaft mit 24 statt 20 teilnehmenden Ländern sein wird. Entsprechend mussten die potenziellen Gastgeber mit erhöhten Anforderungen rechnen, wie schon Frankreich, das für die EM 2016 zehn Stadien bereitstellt, von denen sieben eine Kapazität von über 40.000 Zuschauern aufweisen. Eine Aufgabe also, der wohl nur größere Länder gewachsen sein könnten.

Am 21 März 2012 begann die UEFA ganz traditionell die Bewerbungen der Kandidaten aufzunehmen. Es bewarben sich die Türkei, Aserbaidschan und Georgien zusammen, sowie ein „keltisches“ Gastgeber-Bündnis aus Schottland, Irland und Wales. Deutschland, England und Spanien hatten sich dabei von vornherein aus dem Bewerbungsverfahren für 2020 zurückgezogen. Die UEFA hoffte aber, nach eher enttäuschenden Erfahrungen mit Zusammenschlüssen mehrerer Nationen, die Europameisterschaft 2020, der Vergabe der EM 2016 an Frankreich folgend, an ein einziges, infrastrukturell gut ausgestattetes Land zu vergeben.

So avancierte die Türkei schnell zum Favoriten für die Gastgeberrechte. Michael Platini unterstützte einige Zeit die türkische Bewerbung offiziell, wenn auch mit Vorbehalten. Den Bewerbungsprozess überschatteten allerdings Korruptionsverdachte und ein Skandal um Spielmanipulationen (der dem türkischen Meister Fenerbahce seinen Platz in der Champions League kostete). Vor allem aber erschien die gleichzeitige Entscheidung der türkischen Regierung mit Istanbul für die Olympia 2020 zu kandidieren fragwürdig. Zwei sportliche Ereignisse dieses Maßstabes könnten unmöglich im selben Sommer an dem gleichen Standort ausgetragen werden, hieß es aus der UEFA.

Eine radikale Kehrtwende – quer durch Europa

Am 30 Juni 2012, einen Tag vor dem Finale der EM 2012, läutete Michael Platini ein radikales Umdenken ein. Auf einer Pressekonferenz schlug er vor, 2020 „in zwölf Städten in ganz Europa“ zu spielen. „Es ist nur ein Vorschlag, aber ich habe viel Sympathien für die Idee“, fügte der UEFA-Präsident hinzu. Fünf Monate später wurde die Idee zu einem festen Plan. Am 6 Dezember 2012 bestätigte die UEFA die Austragung der EM 2020 quer durch Europa. Der Vorschlag habe großen Zuspruch in allen europäischen Föderationen gefunden. Während die Gastgeberpflichten für 24 Mannschaften auch einen Zusammenschluss von 2 oder 3 kleineren Staaten überfordern konnten, sei die Teilnahme mit nur einem Standort für die meisten europäischen Nationen eine willkommene Alternative. Zumal die UEFA bereits Erfahrungen mit einem solchen Schema sammeln konnte. So empfängt bei den Qualifikationsspielen in den U-17 und U-19 Europameisterschaften ein Land je eine Gruppe.

Allerdings soll die paneuropäische Europameisterschaft eine einmalige Aktion bleiben – sie soll das 60-jährige Jubiläum der Veranstaltung ansprechend zu feiern helfen. Die Spiele der EM 2020 werden dann in 13 Stadien in 13 verschiedenen europäischen Ländern ausgetragen. Jede der 54 Mitgliedsnationen der UEFA konnte sich mit seiner Wunscharena bewerben. Die Anforderungen an jede einzelne Arena wurden dabei im Vergleich zu der EM 2016 nochmals gehörig aufgeschraubt. 50.000 Fans sollte jede Arena selbst für Gruppenspiele aufnehmen können (mit maximal zwei Ausnahmen für kleinere Stadien). Für das Halbfinale und das Endspiel, die, anders als alle anderen Spiele, ausschließlich an einem Standort stattfinden werden, wurde eine Kapazität von gehörigen 70.000 Plätzen gefordert. Nicht zuletzt sollte jede Bewerberstadt am besten zwei Flughäfen, oder doch zumindest zwei getrennte Terminals nachweisen können, um rivalisierende Fans deutlich trennen zu können.

Das Bewerbungsverfahren

Über ein Jahr, im April 2013 startend, lief das neue Bewerbungsverfahren – nun mit deutlich gestiegenem Zulauf. Obwohl letztlich nur eine Arena für jedes Teilnehmerland ausgewählt werden konnte, wurden bis zu zwei Bewerbungen akzeptiert: eine für die drei Gruppenspiele und ein K.o.-Spiel des Achtel- oder Viertelfinales und eine für den Showdown mit beiden Halbfinalen und dem Endspiel. Zum 12. September 2013 bewarben sich vorläufig 32 Mitgliederverbände mit bereits bestehenden Arenen oder geplanten Neubauten, die spätestens ab 2016 errichtet werden sollten. Der heftigste Konkurrenzkampf ereignete sich um die sogenannten „Standardpakete“ für Gruppenspiele und die frühe K.o.-Phase. 19 Länder hatten dabei erstmals in ihrer Geschichte überhaupt die Chancen als Gastgeber in der Endrunde eines internationalen Fußballturniers aufzutreten – unter ihnen Aserbaidschan, Bulgarien, Israel oder Weißrussland.

Münchens Finale-Bewerbung überraschend zurückgezogen

Viele Bewerbungen mussten aber schon bald zurückgezogen werden, teils durch fehlenden Rückhalt der Regierungen und der betreffenden Stadträte (so im Fall von Finnland, Portugal und Tschechien), teils kurz vor der finalen Frist am 25 April 2014 wegen mangelnder Erfolgsaussicht (Frankreich, Polen und die Schweiz) oder auch, im Fall der Türkei, in der Hoffnung auf ein umfassenderes Gastgeberrecht für die EM 2024. Insgesamt 19 Kandidatenverbände blieben so übrig. Nur zwei Länder konkurrierten letztendlich um das Paket für die Halbfinale und das Endspiel – das Londoner Wembley und die Münchener Allianz Arena. Auch das Olympiastadion in Berlin galt eine Zeit lang als vielversprechender Kandidat, letztlich entschied sich aber der DFB zugunsten Münchens. Es hieß, die Allianz Arena habe bessere Chancen in Konkurrenz zu Wembley.

Doch es kam zu keinem Showdown zwischen München und London. Der DFB versuchte kurzfristig einen zukunftsträchtigen Deal mit England zu schließen. Die Bewerbung für die drei Endspiele sollte zurückgezogen werden, die Engländer sollten sich daraufhin verpflichteten Deutschland bei einer Bewerbung für die EM 2024 zu unterstützen. Formell kam kein Deal zustande, wohl aber eine Art Gentlemen‘s Agreement. England verzichtete auf eine Bewerbung für die EM 2024, der DFB zog die Kandidatur Münchens für die Finalserie der EM 2020 kurz vor der Abstimmung zurück. Die UEFA habe in einer technischen Erhebung Wembley knapp besser als die Allianzarena bewertet, teilte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach mit. „Aber es war eben auch der Gedanke, eine Kampfabstimmung im Exekutivkomitee zu verhindern“. Trotzdem blieb die Allianzarena weiterhin in der Favoritenrolle für die Austragung von drei Gruppenspielen und einer Partie des Viertelfinales.

Von Bilbao bis nach Baku, von Rom bis nach St. Petersburg

Am 19. September 2014 hielt die UEFA dann die endgültige Wahl der Gastgeber. Nur London blieb als Bewerber für das „Final Package“. Bei den Kandidaten für die früheren Phasen hingegen mussten sechs schon im Vorfeld ausscheiden. Bulgarien, Israel, Mazedonien und Weißrussland wurden erfüllten die formalen Kriterien nicht. Unter den übrigen Kandidaten wurde dann mit Berücksichtigung der geographischen Lage entschieden, um alle Enden Europas zu repräsentieren. Stockholm verlor so in der Wahl gegen Kopenhagen und das walisische Cardiff musste sich in einer finalen, nicht mehr geografisch gewichteten, Wahlrunde mit allen acht verbliebenen Kandidaten geschlagen geben.
Eine Wahl entschied auch, welche der sieben Städte mit einer über 60.000 Fans fassenden Arena sich für das Viertelfinale mitsamt drei Gruppenspielen qualifizierten. Knapper Sieger wurde München, gefolgt von der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku. Mit deutlich weniger Stimmen, aber trotzdem mit sicherer Führung, konnten sich das russische St. Petersburg sowie Rom ein Viertelfinale-Spiel ergattern. Die Achtelfinale-Partien mitsamt ebenso drei Gruppenspielen werden dann die übrigen Gastgeber abhalten: Amsterdam (Niederlande), Bilbao (Spanien), Brüssel (Belgien), Budapest (Ungarn), Bukarest (Rumänien), Dublin (Irland), Glasgow (Schottland) und Kopenhagen (Dänemark).

Die EM 2020 Qualifikation

Im Sprint durch die Qualifikationsrunde

Da es unter den 24 Teilnehmermannschaften in der Endrunde 13 Gastgeber geben wird, ist die überkommene automatische Qualifikation des Heimteams für die EM 2020 hinfällig. Alle müssen sich nun sportlich qualifizieren und können natürlicherweise auch ausscheiden. Die Nationalmannschaften der Austragungsländer werden allerdings trotzdem einen kleinen Heimvorteil genießen können. Trotz Auslosung der Spielorte werden ihnen zwei der drei Gruppenspiele zu Hause garantiert. In der K.o.-Phase gibt es dann kein Heimreicht mehr.
Der gewohnte Qualifikationskalender wird sich dabei durch die Einführung der UEFA Nations League einschneidend ändern. Dieses neue Turnier, das die traditionellen Freundschaftsspiele der europäischen Nationalmannschaften ersetzen soll, startet 2018 in seine erste Saison. Dadurch verschiebt sich der Beginn der Qualifikationsrunde für die EM 2020 vom September 2018 auf den März 2019. Die gesamte Qualifikation für die Europameisterschaft wird damit in nur neun Monaten abgehalten, in zwei Spielen für jede Mannschaft je im März, Juni, September, Oktober und November 2019.

Der traditionelle Weg…

Die Qualifikationsrunde besteht dabei aus einem Mix zwischen bewährtem Rezept und innovativer Zugabe. Die 54 europäischen Verbände werden in zehn Gruppen mit fünf bzw. sechs Teams eingeteilt werden. Die zwei Gruppenersten qualifizieren sich für 20 der 24 Endrundenplätze der EM 2020. Aber auch hier mischt die UEFA Nations League kräftig mit. Zum einen bekommen die vier besten Mannschaften aus der ersten Saison des neuen Turniers einen garantierten Platz in einer der kleineren Qualifikationsgruppen mit insgesamt fünf Mannschaften – sie müssen sich so um einen Konkurrenten weniger kümmern. Darüber hinaus werden vier der 24 Endrundenplätze der EM 2020 direkt an vier Teilnehmer Nations League, die sich nicht in der Qualifikationsrunde durchsetzen konnten, vergeben.

…und der Rettungskreis der Nations League

So funktioniert der Rettungskreis: In der Nations League werden die 54 Nationen in vier Ligen aufgeteilt, gestaffelt nach dem UEFA-Koeffizienten. Vier Teams aus jeder dieser Stärkeklassen spielen dann unter sich im März 2020 um je ein EM-Ticket. Teilnehmen dürfen dabei die besten Mannschaften jeder der vier Ligen, aber nur die, natürlich, die sich noch nicht im eigentlichen Qualifikationsturnier durchsetzen konnten. Das heißt, dass auch zumindest eine der zehn schwächsten Mannschaften Europas garantiert einen Platz in der europäischen Endrunde ergattern wird. Unter sich spielen die Teams ein Halbfinale und ein Finale. Dabei spielt, ähnlich wie im DFB-Pokal, jede Mannschaft pro Runde nur ein Spiel, in diesem Fall aber, anders als im deutschen Pokal, stets auf dem Feld des ranghöheren Teams.
Im Juni und Juli 2020 wird schließlich die Endrunde unter den 24 besten Mannschaften quer durch Europa ausgetragen. Ein genauerer Spielkalender steht noch aus.

Die EM 2020 im TV

Wie auch schon die Turniere davor, werden die ARD und das ZDF alle 51 EM 2020 Spiele live im Free-Tv zeigen!

EM 2020 – Die Perspektiven des deutschen Teams

Der Trainerstab

Die EM 2020 mag in weiter Ferne liegen und natürlich ist es unmöglich zu wissen, in welcher Form und mit welchem Kader die deutschen Stars zur Allianz Arena anreisen werden. Zumal noch die Qualifikation bevorsteht. Hier ist aber kaum etwas anderes als ein souveränes Auftreten zu erwarten. Schließlich verpasste die deutsche Auswahl eine EM-Qualifikation ein einziges Mal in ihrer Geschichte, und das eine ganze Weile her – am 17. Dezember 1967. Ãœberhaupt ist es gerade die Stabilität und Nachhaltigkeit der Entwicklung der Nationalmannschaft, die einige gut begründete Prognosen für 2020 erlauben. Zum einen ist die Führung für die nächsten Jahre gesichert. So verlängerte der jahrelange Teammanager Oliver Bierhoff nur jüngst seinen Vertrag bis 2020. Da er nun persönlich das Projekt der DFB-Akademie betreut, wird er sicherlich einen noch viel direkteren und intensivieren Einfluss auf die Auswahl der Jungstars für die paneuropäische EM ausüben.

Auch Joachim Löws Zukunft als Bundestrainer scheint nach dem Triumph in Brasilien sicher. Bis 2018 steht er beim DFB unter Vertrag. Ãœber die EM 2020 will sich Löw zwar „noch keine Gedanken“ machen, ist aber bereits begeistert vom „fantastischen Rahmen“ der multinationalen Austragung. Sicherlich gilt alle Konzentration des Trainerstabs erst einmal einem souveränen Auftritt auf der EM 2016. Doch hält der DFB an einer klaren Entwicklungslinie fest. Denn auch nach den erfolgreichen, aber eben auch mit Kritik verbundenen Auftritten auf der den Europameisterschaften 2008 und 2012 sowie der WM 2010 zog das Trainerteam seine Linie kompromisslos durch. Nichts anderes ist auch auf dem Weg zur EM 2020 zu erwarten, es sei denn, ein sportlicher Super-GAU käme dazwischen.
Ob dann auch tatsächlich Joachim Löw oder ein Nachfolger auf der Seitenlinie stehen wird, ist ungewiss. Es ist unwahrscheinlich, dass der Bundestrainer von den Amtszeitrekorden eines Sepp Herbergers träumt. Aber auch im Falle eines Personalwechsels wird kaum ein Trainer es wagen, die nachhaltigen Tugenden der DFB-Entwicklung anzufechten. Auch 2020 wird der Fokus auf klugem Kombinationsfußball, schnellem Umschaltspiel und konsequenter Verjüngung des Kaders (verbunden mit dem Einsatz einiger weniger, dafür aber tonangebender Veteranen) liegen.

Die Jungstars des DFB

Denn die DFB Elf wird auch 2020 sicherlich eine junge Mannschaft bleiben. Während seiner gesamten Arbeitszeit als Bundestrainer hat Joachim Löw den deutschen Kader konsequent verjüngt – von 26,96 Jahren im Durchschnitt auf der EM 2008 hin zu einem Durchschnittsalter von 24,38 auf der EM 2012. So fuhren viele der jungen Sieger der U-21 EM 2009 schon im nächsten Jahr als Stammkräfte der Nationalelf nach Südafrika, etwa die damals 21-jährigen Mats Hummels, Mesut Özil und Jerome Boateng. Aber sogar zwei 20-Jährige, die es ein Jahr zuvor nicht mal in die U-21-Auswahl schafften, spielten eine Schlüsselrolle: so Toni Kroos und, bekanntlich, Thomas Müller, der Torschützenkönig von 2010 in Südafrika. All diese Jungstars spielten vier Jahre später eine Schlüsselrolle bei der Eroberung des WM-Titels.
Allerdings scheint sich zur WM in Brasilien wieder eine kleine Tendenz zum Bewährten etabliert zu haben. Im Durschnitt waren die Weltmeister 26,3 Jahre alt. Doch wird der wichtige Fokus auf Nachwuchsförderung und Verjüngung auf dem Weg zur EM 2020 sicherlich weiter den Ton angeben. Bereits während der Qualifikation zur EM 2016 werden junge Gesichter wie Kevin Volland, Erik Durm, Shkodran Mustafi oder Antonio Rüdiger fest in die Mannschaftsplanung integriert. Und, wenn wir die Bedeutung des Jungstarerfolgs von 2009 bedenken, scheinen so einige Stammspieler der heutigen U-21-Elf von Horst Hrubesch gute Chancen auf einen Platz in der Startelf von 2020 zu haben. Etwa die Torhüter Bernd Leno und Marc-André Ter Stegen, die Verteidiger Robin Knoche und Nico Schulz sowie Matthias Ginter, der Bereits zum Kader der Weltmeister gehörte. Im Mittelfeld und Angriff gehören dabei Max Meyer, Emre Can, Johannes Geis und Leonardo Bittencourt als etablierte Stars zu den Hoffnungsträgern der Fans. Und auch noch jüngere Talente haben bereits gezeigt, dass sie das Zeug zum Auftritt in der Nationalelf haben: etwa der Leverkusener Julian Brandt, der Bremer David Selke oder der Frankfurter Marc Stendera. Am spannendsten wird es aber zu beobachten sein, wie 20- und 21-jährige Debütanten sicherlich wieder kräftig im Kampf um den EM-Titel mitmischen werden. Vorhersagen über Personalien kann man jetzt noch kaum machen. Fußballfans sollten sich aber bei die U-21 EM 2019 ganz bestimmt rot anstreichen.

…und die erfahrenen Weltmeister

Anderseits gab es in den letzten Jahrzehnten kaum einen Zeitpunkt, an dem die Nationalelf auf eine solch breite Auswahl von etablierten Stars zählen konnte. Viele Stammkräfte des Weltmeisterteams, Jerome Boateng, Benedikt Höwedes, Mark Hummels, Toni Kroos, Thomas Müller, Mesut Özil und der zur WM ausgefallene Marco Reus werden zur Europameisterschaft 2020 gerade 32 oder jünger sein, mit großer Wahrscheinlichkeit also noch eine reife Profikarriere weiterführen. Mario Götze, André Schürrle und der 2014 noch verletzte Ilkay Gündogan werden sogar noch unter 30 Jahre alt sein und im Zenit ihrer Laufbahn stehen. Auch der dann 34-Jährige Manuel Neuer könnte auch 2020 souverän das Tor bewachen – für Torwarte ein fortgeschrittenes, aber beileibe kein kritisches Alter.

Die Stars des spanischen Teams waren teilweise noch ein Stück älter, als sie ihren WM-Erfolg auf der EM 2012 wiederholten. Doch wird der DFB-Trainerstab wohl nicht diesen konservativen, aber auch gefährlichen Weg (wie die gegenwärtigen Probleme der spanischen Auswahl zeigen) gehen. Viele Stars des Weltmeisterteams werden wohl gerade nach der WM 2018 in Russland dem Beispiel Philip Lahms, Per Mertesackers und Miroslavs Kloses folgen und den Weg für eine neue Generation freimachen. Trotzdem wird eine deutsche Elf auf der EM 2020 ohne erfahrene Kapitäne und Vize, wie etwa Hummels, Müller oder Reus sicherlich nicht auskommen können und wollen.

Fünf Gastgeberstadien im Portrait

Atmosphärisch – San Mamés, Bilbao, Spanien
Mögen auch die spanischen Fans für ein eher gemächliches Mitfiebern bekannt sein – das spanische Bilbao bildet sicherlich eine schillernde Ausnahme. Ein wütender Sturm erwartet hier sämtliche Gäste des achtfachen spanischen Meisters Athletic Bilbao. Im Jahr 2013 wurde die als La Cathedral bekannte Arena, letztens für die WM 1982 modernisiert, endgültig durch ein neues Stadion für 173 Millionen Euro ersetzt. Seitdem eine bei der Eröffnung noch fehlende letzte Tribüne zur Saison 2014/2015 fertiggestellt wurde, kann das neue San Mamés nun 53.289 Zuschauer beherbergen. Drei Gruppenspiele und ein K.o.-Spiel des Achtelfinales werden hier stattfinden.

Technisch – Telia Parken, Kopenhagen, Dänemark
Die dänische Arena ist eines der traditionsreichsten Austragungsorte der EM 2020. Seit 1911 nutzt die dänische Nationalelf dieses Feld als ihre Heimbasis. Komplett neuerrichtet wurde das Stadion am gleichen Ort zum 9 September 1992 für umgerechnet 85.3 Millionen Euro. Es ist als Austragungsort des Finales der Europapokalsieger 1993/94, des Endspiels des UEFA-Pokals 1999/2000 und nicht zuletzt des Eurovision Finales von 2001 in die Geschichte eingegangen. Seit 2001 glänzt die Arena auch mit einem faltbarem Textildach, sodass sie binnen einer halben Stunde sowohl beheizt als auch, für Gäste bei einem heißen EM-Sommer besonders interessant, voll klimatisiert werden kann. Neben der dänischen Nationalmannschaft dient es dem zehnfachen Meister FC Koppenhagen als Basis. Nach dem letzten Umbau im Jahr 2009 beherbergt Telia Parken 38.076 Zuschauer und wird so als eines von zwei kleineren Ausnahmestadien drei Gruppenspiele und ein Achtelfinalspiel abhalten.

Umstritten – Gazprom Arena, St. Petersburg, Russland
Für eine neue Arena für den finanzstärksten Club Russlands, FK Zenit St. Petersburg, wurde es schon längst vor der Bewerbung für die WM 2018 höchste Zeit. Von 1950 bis 1992 spielten die vierfachen russischen bzw. sowjetischen Meister auf dem gigantischen, 100.000 Fans fassenden, Kirow-Stadion. Seit 1992 jedoch muss der Club mit der temporären Heimat im Petrowski-Stadion mit knapp über 20.000 Fanplätzen auskommen. Der Bau der neuen Arena für die WM 2018 und die EM 2020 zieht sich nun seit 2007 hin. Noch im Dezember 2008 sollte das 62.176 Zuschauer fassende Stadion fertiggestellt werden, nach letzten Angaben wird es wohl erst knapp vor der WM 2018 so weit. Die Baukosten explodierten auf unglaubliche 930 Millionen Euro, gleich mehrere Korruptionsskandale entflammten. Zumindest dient die WM als Garantie der Fertigstellung vor der Europameisterschaft. Wenn es mal so weit wird, kann die Gazprom-Arena durchaus zu den High-Tech Stadien zählen: ein vollständig faltbares Dach und ein zum besseren Schutz zurückfahrbarer Rasen werden die Highlights bilden.

Dahoam – Allianz Arena, München, Deutschland
In ihrer jungen Geschichte seit 2005 hat die Heimarena des FC Bayern München und des TSV 1860 München bereits zahlreiche Träume in Erfüllung gehen, aber auch platzen erlebt. Am bekanntesten darunter – das leidige „Finale dahoam“, bei dem die Bayern in der Champions League 2012 im Elfmeterschießen Chelsea unterlagen. Zu den vier Spielen der EM 2020 aber, an denen das Stadion wohl wieder ganz in Weiß erstrahlen wird, soll die Allianz-Arena wieder zu einem Glücksbringer werden – so wie schon beim Eröffnungsspiel der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2006. Die Allianz Arena wurde zur Saison 2014/2015 erweitert. 75.000 Zuschauer finden nun auf ihren Rängen in der Bundesliga Platz. In der Champions League und bei der EM, wo nur Sitzplätze erlaubt sind, steigt die Kapazität von 67.858 auf 69.344 Fans. Damit erfüllt München die Forderung der UEFA von 60 Tausend Plätzen für die Viertelfinalepartien locker, auch für ein Finalpaket hätte es mit einer temporären Ausweitung auf 700 Plätze gereicht. Auch zählen die Münchener nun auf einen sogenannten Hybridrasen, einer Mischung aus Naturrasen und Kunststoff. Diese, bereits am Wembley und Old Trafford eingesetzte, technische Neuerung soll den Ball schneller laufen lassen – unverzichtbar für das Kombinationsspiel der deutschen Nationalelf.

Königlich – Wembley, London, England
Mit seiner Maximalkapazität von 90.000 Zuschauern ist das Londoner Wembley nur das zweitgrößte Stadion in Europa nach dem Camp Nou in Barcelona. Doch wie keine andere Arena gilt Wembley als Wahrzeichen des europäischen Fußballs. Kein Wunder, dass die Engländer für die erste internationale EM 2020 die Austragungsrechte für das Finale- und die beiden Halbfinalespiele letztlich alternativlos an sich rissen. Seit 1923 trägt die englische Nationalmannschaft hier ihre Spiele aus und war besiegte im Vorgängerbau im Jahr 1966 die Deutschen im WM-Finale. Ein 133 Meter hoher Bogen, der ein teilweise faltbares Dach hält, bildet das Highlight des 2007 neu errichteten Stadions. Bereits zwei Mal wurde das neue Wembley zum Austragungsort für das Finale der Champions League – zum letzten Mal 2013 bei dem ersten rein deutschem Finale zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München.