EM 2020 Fußballregeln, technische Hilfsmittel: Videobeweis & Torlinientechnik

Technische Hilfsmittel der Schiedsrichter bei der EM 2020

Schiedsrichter stehen immer im Mittelpunkt, wenn sie das Spiel anpfeifen oder Entscheidungen über Fouls, Tore, Abseits, Handspiel und Co treffen. Oftmals ziehen die Unparteiischen den Ärger von einer Fan-Gruppe oder einiger Spieler auf sich – vor allem natürlich dann, wenn die eigene Mannschaft durch den Pfiff benachteiligt wurde. Hier gibt es alle Infos zu den EM 2020 Schiedsrichtern.

Schiedsrichter Felix Brych beim Gruppe D Vorrundenspiel zwischen Uruguay und Costa Rica bei der WM 2014. AFP PHOTO / GABRIEL BOUYS
Schiedsrichter Felix Brych beim Gruppe D Vorrundenspiel zwischen Uruguay und Costa Rica bei der WM 2014. AFP PHOTO / GABRIEL BOUYS
Quick Facts zu den Technischen Hilfsmitteln der EM 2020

  • Neu ist bei der EM 2020 der Einsatz des Videobeweis!
  • Die Torlinientechnologie Hawk-Eye kam bereits bei der Euro 2016 erstmalig zum Einsatz und wird dieses Mal erneut verwendet.
  • Die Schiedsrichter-Uhr sendet Signale bei einem Tor. Der Schiedsrichterfunk verbindet das Vierer-Gespann miteinander.
  • Mit dem Freistoßspray, welches die Schiedsrichter seit dem Jahr 2013 nutzen können, wird das Schummeln bei Freistößen unterdrückt.

Die Schiedsrichter werden aber auch darin geschult, in solchen Situationen professionell zu reagieren und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Das gilt auch in weiteren Bereichen, wo Schiedsrichter einer Bedrohungslage ausgesetzt sind –beispielsweise wurde beim unvergessenen Hoyzer-Skandal bekannt, dass Schiedsrichter mithelfen Spiele zu manipulieren. Inwieweit solcherlei Verhalten von offiziellen Spielleitern auf mentale Schwäche zurückzuführen ist, wird immer wieder hinterfragt.

Heutzutage kommen technische Hilfsmittel zum Einsatz, die die Entscheidungsfindung für Schiedsrichter erleichtern soll. Neu ist bei der EM 2020 der Einsatz des Videobeweis. Die Hauptschiedsrichter stehen während der Partie mit Video-Schiedsrichtern in Kontakt und können sich mit ihnen absprechen oder selbst die Fernsehbilder anschauen. Wieder 2020 dabei: die Torlinientechnik.

Torlinientechnologie bei der EM 2020

Die Torlinientechnologie Hawk-Eye kam bereits bei der Euro 2016 erstmalig zum Einsatz – damals erhielt die britische Technologie namens Hawk-Eye den Zuschlag vor Mitbewerbern wie dem deutschen Goal Control.

Das System des Hawk-Eye wurde 2015 in der Bundesliga eingeführt, zur EM 2020 wird es auch wieder benutzt. AFP PHOTO / JOHN
Das System des Hawk-Eye wurde 2015 in der Bundesliga eingeführt, zur EM 2020 wird es auch wieder benutzt. AFP PHOTO / JOHN

Erstmalig wurde Hawk-Eye zur Saison 2013/14 in der englischen Premier League eingeführt. Die Torlinientechnologie kann bei strittigen Torentscheidungen exakt bestimmten, ob der Ball in vollem Umfang die Linie überschritten hat oder nicht.

Seitdem wird Hawk-Eye im Fußball in vielen Wettbewerben eingesetzt. In Deutschland wurde Hawk-Eye erstmalig am 30. Mai 2015 im DFB-Pokal verwendet, bevor es zur Saison 2015/16 in der Bundesliga eingeführt wurde.

Nach dem ersten Einsatz der Hawk-Eye bei einem internationalen Spiel – England gegen Deutschland im November 2013 in Wembley – wurde Hawk-Eye später auch bei der WM eingeführt. Seit der WM 2018 verwendet die FIFA ebenfalls die britische Variante des Computer-Systems zur Ballverfolgung.

Der Sinn der Torlinientechnologie wird inzwischen nur noch selten in Frage gestellt. Dagegen gibt es von den Fußballverbänden (DFB, UEFA und FIFA) folgende Regel wie mit einem vermeintlichen Tor umgegangen wird:

Fußballregeln Nr.1 Wie ein Tor erzielt wird

Torerzielung

Ein Tor ist gültig erzielt, wenn der Ball vollständig die Torlinie zwischen den Torpfosten und unter der Querlatte überschritten hat, ohne dass die Regeln vorher von der Mannschaft übertreten wurden, zu deren Gunsten das Tor erzielt wurde.

Wettbewerbsbestimmungen

Wettbewerbsbestimmungen können für unentschieden beendete Spiele eine Verlängerung oder eine andere vom International Football Association Board zugelassene Methode zur Ermittlung eines Siegers festlegen.

Anweisungen des DFB

  1. Ein Pfiff bei der Torerzielung sollte nur in unklaren Fällen erfolgen.
  2. Bestehen Zweifel, ob der Ball vollständig im Tor war, soll der Schiedsrichter das Spiel weiterlaufen lassen.
  3. Ein Tor kann auf keinen Fall anerkannt werden, wenn der Ball, bevor er die Torlinie überquert hat, durch einen äußeren Einfluss aufgehalten wurde. Wenn dies im normalen Spielverlauf geschieht – außer beim Treten eines Strafstoßes -, muss das Spiel unterbrochen und durch Schiedsrichterball an jener Stelle fortgesetzt werden, an welcher der Ball durch diesen äußeren Einfluss aufgehalten wurde.
  4. Wenn ein Zuschauer das Spielfeld betritt, bevor der Ball vollständig die Torlinie überschritten hat, und versucht, ein Tor zu verhindern, der Ball aber ins Tor geht, gilt dieses Tor, es sei denn, der Zuschauer hat den Ball berührt. In diesem Falle hat der Schiedsrichter das Spiel zu unterbrechen und durch Schiedsrichterball am Ort, wo die Berührung stattfand, wieder aufzunehmen.
  5. Der Schiedsrichter muss die Wiederaufnahme des Spiels, nachdem ein Tor erzielt wurde, beschleunigen. Die Spieler dürfen ihre Freude nach einem Treffer zeigen, jedoch in einem vernünftigen Maß. Insbesondere muss der Schiedsrichter Spieler durch Zeigen der gelben Karte verwarnen, die demonstrativ aus dem Spielfeld rennen, die Zäune hinaufklettern, ihre Hemden ausziehen oder ähnlich übertrieben reagieren.

Der Videobeweis bei der EM 2020

Eine wichtige Neuerung bei der EM 2020 ist die Einführung des Videobeweises, den es schon bei der WM 2018 gab. Der Videobeweis im Sport wurde möglich, als die TV-Technikhilfe der Wiederholungen eingeführt wurde. Diese Technik wurde im Sport bei der Eishockey-Veranstaltung „Hockey Night in Canada“ 1955 zum ersten Mal genutzt.

Der Videobeweis hat sich in den folgenden Jahren auf andere Sportarten ausgebreitet – der technologische Fortschritt beim Zurückspulen der Aufnahme und durch Zeitlupen-Technik machte den Videobeweis für Sportübertragungen immer wichtiger.

Der deutsche Schiri Deniz Aytekin überprüft eine Szene mit dem VAR (Video Assistant Referee) um festzustellen ob Italien einen Elfmeter hätte bekommen müssen. Spiel zwischen England und Italien im Wembley Stadion in London am 27. März 2018. / AFP PHOTO / Ian KINGTON
Der deutsche Schiri Deniz Aytekin überprüft eine Szene mit dem VAR (Video Assistant Referee) um festzustellen ob Italien einen Elfmeter hätte bekommen müssen. Spiel zwischen England und Italien im Wembley Stadion in London am 27. März 2018. / AFP PHOTO / Ian KINGTON

Seit den 2000er-Jahren kommt der Videobeweis für Schiedsrichter zum Einsatz – NBA Basketball oder die Hawk-Eye-Technologie im Tennis sind bekannte Beispiele. Bei der Fußball-WM 2018 in Russland wurde der Videobeweis für den Schiedsrichter erstmals verwendet – bei der EM 2020 kommt er wieder zum Einsatz.

Der Videobeweis wurde am 3. März 2018 in Zürich vom internationalen Gremium IFAB (International Football Association Board) in die Fußballregeln aufgenommen. Der IFAB beschließt die Änderungen des Fußball-Regelwerks beschließt, die für die Verbände wie UEFA und FIFA gültig sind.

Der Video-Referee kommt bei strittigen und spielentscheidenden Szenen zum Einsatz – dazu zählen Tore, Abseits, Elfmeter, Platzverweise oder Spielerverwechslungen durch den Schiedsrichter. Der spielleitende 1. Schiedsrichter erhält Unterstützung durch den VAR (Video Assistant Referee), der während des Spiels Hinweise auf das Geschehen geben kann.

Das UEFA Exekutivkomitee entschied am 27. September 2018 in Nyon über die Einführung des Videoschiedsrichters. Beschlossen wurde die Einführung des Videobeweis in der Champions League Saison 2019/20 und bei der UEFA Euro 2020.

Wie sehen die Regeln zum Videobeweis aus?

Wann kommt der Videobeweis zum Einsatz?

Die FIFA legt verschiedene Regeln für den Einsatz des Videobeweises fest:

Prüfung der Videobilder auf dem Feld (für Interpretation)

Tore

  • Fouls des angreifenden Spielers
  • Eingreifen aus einer Abseitsposition

Elfmeterentscheidungen

  • Foul, dass zum Elfmeter führt
  • Foul des angreifenden Spielers

Nur Rat durch den Videoassistenten (für Tatsachenentscheidungen)

Tore

  • Abseitssituation, die zu einem Tor führt
  • Ball aus dem Spiel vor einem Tor

Elfmeterentscheidungen

  • Fouls innerhalb oder außerhalb des Strafraums
  • Ball aus dem Spiel vor einem Elfmeter
  • Abseitsposition, die zu einem Elfmeter führt

Schiedsrichter-Uhr und Schiedsrichterfunk

Obgleich der Torrichter als Alternative zu dem „Chip im Ball“ noch immer äußerst kontrovers diskutiert werden, so stehen den Schiedsrichtern bei ihrer Arbeit auch technische Hilfsmittel zur Verfügung. Als Grundlage dafür, dass ein Spiel auch wirklich pünktlich an- und abgepfiffen wird, gilt die Schiedsrichter-Uhr. Diese Uhr wird, wie jede andere Uhr auch, am Handgelenk getragen und gibt dem Schiedsrichter genaue Details über die noch zu verbleibende Länge der Halbzeit. An dieser Uhr kann selbstverständlich die Stopp-Funktion genutzt werden um die reine Netto-Spielzeit von 90 Spielminuten auch einzuhalten. Dies war in der Vergangenheit nicht immer der Fall. Besonders ein gewisser Schiedsrichter namens Ahlenfelder bewies im Spiel Werder Bremen gegen Hannover 96, dass ein Halbzeitpfiff auch nach 32. Spielminuten nicht gänzlich ausgeschlossen ist.

Damir Skomina wird auch bei der WM 2018 wieder einer der Schiedsrichter sein. Der Slovake pfeift schon seit Jahren wichtige Spiele in der Champions League. / AFP PHOTO / Odd ANDERSEN
Damir Skomina wird auch bei der WM 2018 wieder einer der Schiedsrichter sein. Der Slovake pfeift schon seit Jahren wichtige Spiele in der Champions League. / AFP PHOTO / Odd ANDERSEN

Über die Schiedsrichteruhr sind die Schiedsrichter zudem mit dem Sensor in den Fahnen der Linienrichter verbunden, die mittels Knopfdruck binnen Sekunden Fouls oder Abseitsstellungen anzeigen können. Somit ist der Schiedsrichter nicht allein auf das optische Signal der geschwenkten Fahne angewiesen sondern bekommt direkt von dem jeweiligen Linienrichter einen Vorfall signalisiert. Wer sich eingängig mit dem Profi-Fußball auseinandergesetzt hat, dem wird aufgefallen sein, dass die Schiedsrichter seit einiger Zeit mit einem Headset auf dem Kopf herumlaufen. Der sogenannte Schiedsrichterfunk gehört zu eben jenen technischen Hilfsmitteln, die das enorm wichtige Zusammenspiel eines Schiedsrichters mit seinen Assistenten erleichtert. Da es während eines Spiels für den Unparteiischen nahezu unmöglich ist, seine Augen überall auf dem Platz zu haben, soll mit dem Headset ausgeschlossen werden, dass Spieler hinter dem Rücken des Schiedsrichters unbemerkte Tätlichkeiten begehen und auf diese Weise ungestraft mit der Unsportlichkeit davon kommen. Durch das Headset bleibt der Hauptschiedsrichter in ständigem Kontakt zu seinen Assistenten und wird über sämtliche Ereignisse informiert, so dass versteckte Tätlichkeiten deutlich weniger geworden sind. Sicherlich können auch acht Augen Tätlichkeiten übersehen, doch schlussendlich war die Einführung des Headsets eine sehr gute Entscheidung.

Freistoßspray – Abstand halten sagt die Regel

Fussball Freistossspray
Fussball Freistossspray

Das Regelwerk besagt, dass die Mauer bei einem Freistoß einen gewissen Mindestabstand zu dem Ball nicht unterschreiten darf. In der gängigen Praxis weist der Schiedsrichter die Spieler in der Mauer an, diesen Mindestabstand, den er zuvor gemäß dem Regelwerk durch Beschreiten der Stelle auf dem Platz festgelegt hat, nicht zu unterschreiten. Selbstverständlich haben die Spieler zumeist, wenn der Schiedsrichter sich wieder dem Freistoßschützen widmete, durch ein zwei kleine Schritte den einen oder anderen Meter herausgeschummelt, um dem Freistoßschützen das Leben zu erschweren. Mit dem Freistoßspray, welches die Schiedsrichter seit dem Jahr 2013 nutzen können, wird dieser Versuch bereits im Keim erstickt. Der Schiedsrichter zieht, sofern er das Spray für sich als technisches Hilfsmittel nutzt, eine Linie vor der Mauer. Diese Linie darf von keinem Spieler überschritten werden und verschwindet anschließend auf natürlichem Wege direkt in den Rasen, so dass sie zu einem späteren Spielzeitpunkt nicht mehr sichtbar ist.

 

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